Coaching

Coaching nach der Ausbildung: Chancen, Trends und Spezialisierungen

Neue Zielgruppen, spannende Nischen, digitale Tools: Prof. Dr. Cornelia Niessen spricht über die realen Chancen und Erwartungen für Ihre Coaching-Karriere nach der Ausbildung.
Coaching nach der Ausbildung: Chancen, Trends und Spezialisierungen

Sie haben unsere psychologisch fundierte Coaching-Ausbildung erfolgreich absolviert. Und jetzt? Welche beruflichen Perspektiven eröffnen sich auf dem aktuellen Coaching-Markt und wie können Sie Ihre Kompetenzen als neu zertifizierter Coach gezielt einsetzen?

Die Nachfrage nach professionellem Coaching wächst kontinuierlich, doch der Markt hat sich deutlich diversifiziert. Es entstehen neue Zielgruppen, es entwickeln sich Spezialisierungen und auch die Coaching-Praxis selbst verändert sich durch neue Technologien. Mit unserer praxisorientierten Ausbildung verfügen Sie über ein psychologisches Fundament, spezialisierte Module und eine intensive Lehrcoaching-Begleitung. Damit sind Sie optimal vorbereitet, um diese Chancen zu nutzen.

In diesem Interview spricht Prof. Dr. Cornelia Niessen, Gesamtleitung der Coaching-Ausbildung der Deutschen Psychologen Akademie, über aktuelle Markttrends und realistische Erwartungen für Ihre Selbstständigkeit. Sie erfahren, welche innovativen Möglichkeiten sich für Ihre zukünftige Coaching-Praxis eröffnen, beispielsweise neue Nischen wie Nachfolgeplanung und Coaching für Arbeitssuchende, aber auch die sinnvolle Integration digitaler Tools.

Liebe Frau Prof. Dr. Niessen, schön, dass Sie sich Zeit genommen haben! Als Gesamtleitung der Coaching-Ausbildung haben Sie einen guten Überblick über den Markt. Wie hat sich die Nachfrage nach Coaching in den letzten Jahren verändert und welche Themen sind besonders gefragt?

Laut der RAUEN Coaching-Marktanalyse 2024 hat sich die Nachfrage nach Coaching in den letzten Jahren diversifiziert. Dies betrifft sowohl die Zielgruppen – weg vom reinen Top-Management, hin zu Gruppen, die abseits der typischen Führungsebenen liegen, wie etwa Arbeitssuchende, Mitarbeitende im Non-Profit-Bereich, Angestellte im öffentlichen Dienst oder Privatpersonen – als auch die Branchen, beispielsweise Dienstleistungen versus Automobilindustrie. Inhaltlich dominieren die Themen Führung, Konfliktmanagement und persönliche Entwicklung. Gleichzeitig entstehen attraktive Nischen wie Nachfolgeplanung, Berufseinstieg oder Coaching für Arbeitssuchende mit weniger Konkurrenzdruck, aber steigender Relevanz.

Was sollten AbsolventInnen berücksichtigen, wenn sie sich als Coach selbstständig machen möchten?

Sie sollten berücksichtigen, dass die meisten Coaches nicht ausschließlich vom Coaching leben. Erfolgreich ist in der Regel eine Kombination von Leistungen wie Coaching, Organisationsentwicklung und / oder Training. Zugleich ist es von Nutzen, sich einerseits klar in einer Nische zu positionieren, um sichtbar zu werden, und andererseits eine gewisse Breite im Leistungsangebot zu wahren, um flexibel auf unterschiedliche Bedarfe von KlientInnen reagieren zu können. Der Aufbau eines stabilen KlientInnenkreises erfordert Zeit, proaktives Netzwerken und auch in gewissem Maß Marketingkompetenz. Entscheidend für eine nachhaltige Selbstständigkeit sind daher sowohl fachliche Kompetenzen im Coaching, Sichtbarkeit als auch die Fähigkeit, ein ausgewogenes Portfolio aus Spezialisierung und Breite zu gestalten.


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Die zwischenmenschliche Beziehung und Empathie sind und bleiben primär
menschliche Fähigkeiten und können, wenn überhaupt, durch Technologie
nur in Grenzen simuliert werden.
Prof. Dr. Cornelia Niessen, Gesamtleitung der Coaching-Ausbildung

Welche langfristigen Perspektiven oder Spezialisierungsmöglichkeiten nach der Ausbildung erwarten Sie für Coaches in den kommenden Jahren?

Langfristig eröffnen sich für Coaches durch die Integration von digitalen Tools und Künstlicher Intelligenz (KI) vielfältige Perspektiven, die das Coaching durchaus bereichern können. KI-gestützte Chatbots können Coachees beispielsweise in Reflexionsphasen zwischen den Sitzungen begleiten oder im Laufbahncoaching gezielte Fragen stellen und als digitales Reflexionstagebuch fungieren. 

Auch in der Diagnostik eröffnen sich durch Online-Tests zu Persönlichkeit, Potenzialen oder Führungskompetenzen, die sich schnell auswerten lassen, immer mehr Möglichkeiten. Diese können mit den individuellen Coaching-Zielen im Präsenz-Coaching verknüpft werden. Darüber hinaus ermöglicht KI den Einsatz von Simulationen und Rollenspielen, etwa zur Vorbereitung auf Konfliktgespräche oder Bewerbungssituationen. Bei bestimmten KlientInnen können spezifische Interventionen, wie Entspannungstechniken oder Strategien zum Stressmanagement durchaus auf wirksame, digitale Tools ausgelagert werden. Auch organisatorisch könnte KI einen Mehrwert bieten, indem sie Sitzungen beispielsweise dokumentiert. Gleichzeitig gilt es, die Grenzen von KI im Coaching klar zu sehen. Die zwischenmenschliche Beziehung und Empathie sind und bleiben primär menschliche Fähigkeiten und können, wenn überhaupt, durch Technologie nur in Grenzen simuliert werden. Zudem stellen der Datenschutz und die sichere Verarbeitung sensibler Coaching-Daten eine zentrale Herausforderung dar. Eine zu starke Technisierung birgt zumal das Risiko, das Vertrauen und die persönliche Bindung zwischen Coach und Coachee zu schwächen. 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass KI das Coaching nicht ersetzen, aber bereichern kann. Coaches stehen künftig vor der Herausforderung, die technologischen Möglichkeiten kennenzulernen, sie zu verstehen und kompetent in ihre Arbeit zu integrieren, während sie gleichzeitig die menschliche Beziehungsarbeit als unverzichtbaren Kern des Coachings bewahren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Prof. Dr. Cornelia Niessen
Prof. Dr. Cornelia Niessen

Prof. Dr. Cornelia Niessen ist seit 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie im Arbeitsleben an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Mit Weiterbildung in integrativer Familientherapie und Erfahrung in Beratung, Coaching und Führungskräfteentwicklung fokussiert sie auf Gesundheitsprävention und Laufbahnentwicklung. Ihre Forschung umfasst Arbeits- und Organisationspsychologie, berufliche Veränderungen, kognitive Funktionen, psychische Gesundheit in Organisationen, Digitalisierung der Arbeit und interindividuelle Unterschiede. Als Autorin zahlreicher Fachpublikationen wirkt sie regelmäßig als Gutachterin für Fachzeitschriften und Forschungsförderinstitutionen.

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