Abhängigkeitserkrankungen sind häufig, folgenreich und weiterhin stark stigmatisiert. Oft gelten sie vor allem als Problem von Verhalten und Willenskraft. Doch Sucht ist ein neurobiologisches Gesamtgeschehen, das Lernprozesse, Belohnungserwartungen und die Fähigkeit verändert, kurzfristigen Impulsen langfristige Ziele entgegenzusetzen.
Der Vortrag macht die neurobiologischen Grundlagen von Sucht für die psychologische Praxis verständlich: Wie entstehen Craving, Gewohnheitsbildung und Rückfallanfälligkeit? Welche Rolle spielen dopaminerge Belohnungssignale, Stresssysteme und substanzbezogene Hinweisreize? Darauf aufbauend werden pharmakotherapeutische Möglichkeiten innerhalb und außerhalb zugelassener Indikationen eingeordnet – von Anti-Craving-Medikamenten über Opioidagonisten und -antagonisten bis zu aversiven Ansätzen. Auch Cue-Exposure und das Zusammenspiel medikamentöser und psychotherapeutischer Interventionen werden kritisch diskutiert.
Neurobiologie der Abhängigkeit: Belohnungssystem, dopaminerge Signalübertragung, neuronale Plastizität und Veränderungen der Verhaltenskontrolle
Von der Belohnung zum Craving: Konditionierung, Anreizsensitivierung, Belohnungsaufschub und Mechanismen der Rückfallentstehung
Grundlagen der Pharmakotherapie: Wirkprinzipien und klinische Anwendung von Anti-Craving-Medikamenten
Agonisten und Antagonisten: Substitution, Blockade von Rezeptorsystemen, therapeutische Einsatzmöglichkeiten
Aversive Verfahren und Cue-Exposure: Neurobiologische Wirkprinzipien, therapeutische Konzepte und Grenzen der Evidenz
Neue und ergänzende Behandlungsansätze: Off-Label-Pharmakotherapie, Integration medikamentöser und psychotherapeutischer Interventionen
Sie gewinnen ein praxisnahes Verständnis dafür, warum Abhängigkeit mehr ist als eine Frage der Selbstkontrolle. Sie lernen, Wirkprinzipien, Chancen und Grenzen wichtiger Medikamente einzuordnen, Off-Label-Ansätze kritisch zu bewerten und neurobiologische Konzepte für Psychoedukation, Behandlungsplanung und die Zusammenarbeit mit ärztlichen KollegInnen zu nutzen.
Nach Abschluss dieser Veranstaltung erhalten Sie eine Teilnahmebescheinigung.
Die Fortbildungspunkte werden bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt und entsprechen in der Regel der Anzahl der Unterrichtseinheiten. Diese werden von der jeweiligen Landesärztekammer für die Anrechnung von CME-Punkten teilnehmender Ärzte und Ärztinnen anerkannt. Nähere Informationen erhalten Sie von Ihrem Ansprechpartner bei Ihrer Landesärztekammer.
PsychologInnen; Psychotherapeutische Berufsgruppen; ÄrztInnen; HR-Fachkräfte (Betriebliches Gesundheitsmanagement); BeraterInnen; Klinisches Arbeitsfeld; Psychosoziales Arbeitsfeld; Suchtberatung; Studierende; Weitere (GesundheitswissenschaftlerInnen); Keine Beschränkungen; Andere Berufe mit fachlichem Bezug
Das Seminar findet über die Plattform Zoom statt. Als technische Voraussetzungen benötigen Sie ein Notebook/ PC mit Kamera und Mikrofon (Headset empfohlen) und eine stabile Internetverbindung.
Eine stabile Datenverbindung und für das Seminar erforderliche und funktionierende Hardware (Rechner, Bildschirm, Lautsprecher/Kopfhörer/Headset, Mikrofon, Kamera) sind im Vorfeld der Seminarteilnahme durch die Teilnehmenden sicher zu stellen.