Dieser Vortrag blickt praxisnah und kritisch hinter die Kulissen der Kriminalprognose. Im Fokus steht die asymmetrische Wahrnehmung und Bewertung von Prognosefehlern: Während falsche Entlassungen Skandale auslösen, bleiben unnötige Unterbringungen unsichtbar. Skizziert wird eine ehrliche, ethische forensische Prognostik.
Der Gesetzgeber fordert eine wissenschaftlich fundierte Einzelfallprognose, die das Rückfallrisiko von Straftätern und Straftäterinnen über Jahre hinweg beziffert. Diese Erwartung kollidiert jedoch grundlegend mit der methodischen Realität: Gruppenstatistische Erkenntnisse treffen auf den Anspruch individueller Gewissheit. Der Vortrag beleuchtet das Paradoxon unwahrscheinlicher Ereignisse, das Problem der Referenzgruppen und die statistischen Unschärfen gängiger Verfahren. Der Vortrag analysiert die Folgen dieser ungleichen Risikobewertung und zeigt Möglichkeiten und Grenzen forensischer Prognostik auf.
Das Spannungsfeld zwischen §§ 63, 66 StGB und dem nomothetisch-idiographischen Widerspruch
Methodische Herausforderungen: Basisratenproblem, Referenzgruppenproblematik und statistische Unschärfen
Die Asymmetrie prognostischer Fehler: Unsichtbare Alpha-Fehler und medienwirksame Beta-Fehler
Forensische Praxis unter der Lupe: Verantwortungsverschiebung, Schein-Compliance und Alibi-Aktuarik
Konturen einer wissenschaftlich fundierten und ethisch ehrlichen forensisch-prognostischen Praxis
Der Vortrag zeigt, wie moderne prognostische Ansätze die Praxis bereichern können und warum sie es dennoch so selten tun. Sie erhalten eine fundierte, kritische Einordnung forensischer Prognosen und ihrer Paradoxien sowie Strategien für eine transparente, methodisch und ethisch integre Risikokommunikation.
Wenn Sie sich erstmals mit dem Thema beschäftigen, gewinnen Sie einen verständlichen Einblick in zentrale Methoden und Denkweisen. Als Sachverständige erhalten Sie ein klares Fundament für eine ehrliche, sichere Argumentation vor Gericht.
Der Referent beleuchtet das Thema aus seiner täglichen Praxis als Rechtspsychologe. Durch die regelmäßige Erstellung von Prognosegutachten im Kontext der §§63 und 66 StGB kennt er die Zwickmühle zwischen gesetzlichem Druck und methodischer Unschärfe aus erster Hand.
Der Vortrag richtet sich an forensische Fachpersonen, angehende Expertinnen und Experten, Juristinnen und Juristen, an der Gesetzgebung beteiligte Personen sowie alle, die einen fundierten Einblick in die forensische Prognostik gewinnen möchten.
Dahle, K. P. (2017). Psychologische Kriminalprognose: Wege zu einer integrativen Methodik für die Beurteilung der Rückfallwahrscheinlichkeit bei Strafgefangenen (Vol. 23). Springer-Verlag.
Nedopil, N., Endrass, J., Rossegger, A., & Wolf, T. (2021). Prognose: Risikoeinschätzung in forensischer Psychiatrie und Psychologie: ein Handbuch für die Praxis. Pabst Science Publishers.
Boetticher, A., Kröber, H. L., Müller-Isberner, R., Böhm, K. M., Müller-Metz, R., & Wolf, T. (2007). Mindestanforderungen für Prognosegutachten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 1(2), 90-100.
PsychologInnen; Psychotherapeutische Berufsgruppen; Studierende; Andere Berufe mit fachlichem Bezug
Das Seminar findet über die Plattform Zoom statt. Als technische Voraussetzungen benötigen Sie ein Notebook/ PC mit Kamera und Mikrofon (Headset empfohlen) und eine stabile Internetverbindung.
Eine stabile Datenverbindung und für das Seminar erforderliche und funktionierende Hardware (Rechner, Bildschirm, Lautsprecher/Kopfhörer/Headset, Mikrofon, Kamera) sind im Vorfeld der Seminarteilnahme durch die Teilnehmenden sicher zu stellen.