Honorarkürzung gefährdet psychotherapeutische Versorgung
Die Deutsche Psychologen Akademie schließt sich den Stellungnahmen des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) sowie seiner Fachsektion Verband Psychologischer PsychotherapeutInnen (VPP) zur aktuellen Vergütungsentscheidung vollumfänglich an. Als Fortbildungseinrichtung des BDP betrachtet die Psychologen Akademie die Entwicklungen in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung mit großer Sorge.
Eine folgenschwere Entscheidung für die Versorgung
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März 2026 auf Betreiben des GKV-Spitzenverbands beschlossen, die Vergütung ambulanter psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken. Betroffen sind nahezu alle Leistungen, die PsychotherapeutInnen abrechnen: von der genehmigungspflichtigen Therapie über die Psychotherapeutische Sprechstunde bis hin zur Akutbehandlung.
Zwar wurden gleichzeitig die Strukturzuschläge für Personalkosten rückwirkend zum 1. Januar 2026 um 14,25 Prozent angehoben. Diese Erhöhung kommt jedoch nur einem Teil der abgerechneten Leistungen zugute und kann die Absenkung der eigentlichen Behandlungsvergütung selbst für begünstigte Praxen nicht ausgleichen. Für Praxen mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendtherapie oder mit spezialisierten Angeboten fällt die reale Einbuße noch deutlich stärker aus. Durch die gewählte Berechnungssystematik profitieren PsychotherapeutInnen nicht einmal von der Orientierungswertsteigerung des laufenden Jahres, sondern rutschen sogar unter das Vergütungsniveau des Vorjahres.
Kritik am Verfahren
Die Entscheidung fiel gegen die ausdrücklichen Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die eine Beibehaltung des bisherigen Niveaus gefordert hatte. KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen bezeichnete den Beschluss als „fatale Entscheidung“, die zulasten psychisch kranker Menschen gehe. Die DPtV und der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) haben das Bundesministerium für Gesundheit in einem gemeinsamen Schreiben aufgefordert, den Beschluss zu beanstanden, und darauf hingewiesen, dass der Erweiterte Bewertungsausschuss seinen Ermessensspielraum überschritten habe und eine nachvollziehbare Begründung für die Kürzung fehle.
Auch die dem Beschluss zugrundeliegende Datenbasis ist methodisch fragwürdig: Herangezogen wurden Kostendaten aus dem Jahr 2023, während der Umsatz des Jahres 2024 als Referenzgröße für das aktuelle Vergütungsniveau festgeschrieben wurde. Besonders hohe Kostensteigerungen der jüngsten Vergangenheit blieben dabei unberücksichtigt.
Weiterbildung setzt stabile Berufsbedingungen voraus
Als Bildungseinrichtung des BDP weiß die Psychologen Akademie aus jahrzehntelanger Erfahrung: Die Bereitschaft zur fachlichen Weiterqualifikation ist untrennbar mit der wirtschaftlichen Planbarkeit des Berufsalltags verbunden. Wer unter zunehmendem Kostendruck arbeitet, kann sich Fort- und Weiterbildung weder zeitlich noch finanziell in dem Maße leisten, das die Qualität einer guten psychotherapeutischen Versorgung erfordert. Honorarkürzungen sind deshalb kein rein wirtschaftliches Problem einzelner Praxen, sondern eine strukturelle Schwächung des gesamten Versorgungssystems.
Hinzu kommt, dass gerade in Zeiten gesellschaftlicher Krisen und wachsender psychischer Belastungen in der Bevölkerung der Bedarf an qualifizierter psychotherapeutischer Unterstützung steigt. Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Versorgung zu einem solchen Zeitpunkt sendet das falsche Signal an einen Berufsstand, der ohnehin unter hohem Druck steht.
Gemeinsame Schritte sind notwendig
BDP und VPP haben angekündigt, den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses gemeinsam mit anderen psychotherapeutischen Verbänden beim Bundesministerium für Gesundheit förmlich zu beanstanden (weitere Informationen: BDP-Pressemitteilung vom 16. März 2026). Darüber hinaus sind Demonstrationen geplant, um die Öffentlichkeit auf die Lage aufmerksam zu machen. Die Psychologen Akademie begrüßt dieses koordinierte Vorgehen ausdrücklich und unterstützt BDP, VPP und die anderen Berufsverbände dabei, mit einer starken und einheitlichen Stimme aufzutreten.
