Neurowissenschaften und Traumatherapie

EMDR und Biofeedback bei PTBS

Die psychotherapeutische Versorgung von traumatisierten Menschen ist eine große Herausforderung der Gegenwart. Mehr denn je sind Wissen und Kompetenzen in der Behandlung der vielfältigen psychischen Folgen von Traumatisierungen gefragt. Traumatherapeutische Methoden mit nachgewiesener Wirksamkeit können die Psychotherapie­ansätze der Verhaltenstherapie, der Tiefenpsychologie und andere Psychotherapieverfahren bei der Behandlung post­traumatischer Störungsbilder sinnvoll ergänzen. In diesem Beitrag sollen Wirksamkeitsstudien zu einem an der Univer­sität Göttingen entwickelten multimodalen, neuropsychotherapeutischen Programm zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) vorgestellt werden.

Neuropsychotherapeutisches Programm

Neuere Befunde aus den Neurowissenschaften besagen, dass eine Dissoziation zwischen implizitem und explizitem Traumagedächtnis die wesentliche Grundlage der PTBS darstellt. Basierend auf diesem Gedanken wurden in ein Behand­lungsprogramm der Universität Göttingen entsprechende Module integriert: Dazu gehören neben der Bereitstellung von Informationen über die Störungszusammenhänge auch ein Patientenedukationsfilm, spezielle kognitiv-behaviorale Interventionstechniken sowie die durch Biofeedback ge­stützte Anwendung von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing).

EMDR und Biofeedback

Ziel der Anwendung von Biofeedback im Rahmen der EMDR­ Sitzungen ist es zum einen, den Patienten implizite Prozesse während der Traumaexposition zurückzumelden. Zum ande­ren wird anhand der Biofeedback-Aufzeichnung das Ausmaß der Übereinstimmung zwischen subjektivem Belastungsgrad durch die traumatische Erinnerung und physiologisch messbarer Erregung überprüft. Die subjektive Belastung wurde anhand der Subjective Units of Distress Scale (SUDS) erfasst. Als physiologischer Parameter wurde der Hautleitwert, also die elektrodermale Aktivität (EDA) genutzt.

Deutliche Reduktion der Symptomatik

In den Ergebnissen dreier begleitender Studien, in denen jeweils eine Eigenwartegruppe als Kontrollgruppe fungier­te, zeigten sich bei der EMDR-Desensitivierung verschiedene EDA-Muster, die auf blandes und assoziatives Prozessieren hindeuten. Es konnte eine deutliche Reduktion der PTBS-Symptomatik festgestellt werden. Diese fiel in allen drei Studien stärker aus als bei anderen Behandlungsprogrammen.

Die mit der EMDR-Methode bearbeiteten traumatischen Erinnerungen waren im Anschluss an die Behandlung weniger belastend: Dies schlug sich sowohl in der Physiologie als auch im subjektiven Empfinden der Patienten nieder. Die Reduk­tion der autonomen Erregung und der subjektiven Belastung ist ein Hinweis darauf, dass durch die Therapie eine wirksame Hemmung der Amygdala-Aktivierung – und damit der Furchtreaktion – aufgebaut wurde. Mit Hilfe von EMDR und Biofeedback gelingt es somit, die von der Amygdala gesteuer­te physiologische Erregung der Patienten zu senken.

Schonendes und effizientes Verfahren

Die Ergebnisse aller Evaluationsstudien wurden in einer 3-Monats-Katamnese bestätigt. Mit einer Behandlungsdauer von durchschnittlich 16 Therapiesitzungen erwies sich das Therapieprogramm zudem als sehr effizient. Die Drop-Out-Quote von null Prozent spricht für ein besonders schonendes Verfahren, was sich auch in den Rückmeldun­gen der Patienten bestätigte.

Eine der Evaluationsstudien untersuchte das Therapiekon­zept an einer besonders schwierigen Gruppe von Patienten: Methadon substituierte Traumapatienten, bei denen eine Sucht- und eine Traumatherapie kombiniert werden muss­ten. Es wurden vergleichbar gute Ergebnisse erzielt.

Dr. Stefan Jacobs & Dr. Jennifer Maas, Göttingen

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